NEW YORK — der wohl faszinierendste Einstieg in die USA (Teil 3)

Reportage von
Gast

august 23, 2008:
heute gab es keine direktfahrt hotel--manhattan. heute sollte es von der new-jersey-seite aus rüber nach liberty island zur statue of liberty gehen.

august 23, 2008:

heute gab es keine direktfahrt hotel--manhattan. heute sollte es von der new-jersey-seite aus rüber nach liberty island zur statue of liberty gehen. und da es definitiv sehr viel mehr wartezeit für uns bedeutet hätte, mit der fähre von manhattan statt von new jersey aus zur freiheitsstatue zu fahren, hat sandy mitgedacht und unseren trip ganz clever von hier aus gebucht.



was soll man sagen? der blick von der fähre aus auf das südliche manhattan war schon unbeschreiblich. aber es gehen einem auch verdammt viele gedanken durch den kopf. da ist zuerst die erinnerung an die twin towers des world trade centers, die dort symbolträchtig aus diesem häusermeer bis 2001 ragten und durch irgendwelche fanatischen idioten zum einsturz gebracht wurden. weiter denkt man daran, wie tief dieses attentat das land im mark getroffen und danach zusammengeschweißt hat. dann denkt man aber auch an die aggressive folgepolitik unter bush, in der wieder willkürlich kriege geführt werden, in der hegemonie statt multilateralität zu einem dominaten politischen konzept erwuchs, in der vernunft und die meinung alter verbündeter in europa auf einmal nichts mehr zählte, die man gar als "the old europe" verächtlich schmähte, und wie im resultat das ansehen dieses landes weltweit ganz stark gesunken ist.

dann dreht man sich aber um und blickt auf die freiheitsstatue, einem anderen ganz herausragendem symbol dieses landes, das für die offenheit und schier endlose toleranz der vereinigten staaten steht, und wie sie seit über einhundert jahren menschen aus aller welt auf ihrer einfahrt in die bucht vor new york begrüßt hat. man denkt darüber nach, wie sich menschen gefühlt haben müssen, nach einer elendig langen schiffsreise vor vielleicht sechzig, achtzig oder hundert jahren - aus welchem grund auch immer - hier endlich einzulaufen und mit der freiheitsstaute und allem, was sie versinnbildlicht, von angesicht zu angesicht gestanden zu haben. so standen nun auch wir da. zwar wollten wir alle nur einige monate hier in den usa bleiben, aber das gefühl war wie ankommen zu sein in einem land, von dem man schon immer geträumt hat und das man nun endlich erleben will.

wieder gab uns sandy einige instruktionen, damit wir uns auf dieser superkleinen insel ja nicht verlaufen. :-D (nur zur info: die insel misst gerade mal 0,05 km².) und dann sind wir einmal um die 'old lady' rum und haben ihren spirit in uns aufgesogen. hey, den kann kann man bestimmt ganz gut bei seiner zeit in der staaten gebrauchen.

anschließend ging es mit der fähre zurück nach new jersey und der bus brachte uns zu unserem nächsten punkt auf der agenda, nach chinatown. diesen teil in manhattan darf man sich nun nicht total chinesisch bis ins letzte detail vorstellen. hier stehen gebäude, wie man sie auch in jedem anderen teil manhattans finden kann. der name kommt eher von den unsäglich vielen chinesen, die sich hier niedergelassen haben und mit ihren billig produzierten souvenieren ein meer von touristen anziehen. hier erhält man fast alles: gucci, prada, lacoste, rolex, apple, ... und das zu einem preis von ganz wenigen dollars. selbst unser iphone 3g hätten wir hier ohne vertragsbindung zu einem schnäppchenpreis bekommen können. nur darf man auf gar keinen fall so naiv sein, dass auch nur irgendwas hier echt ist oder dass man garantie-ansprüche hat, selbst wenn's in einem der vielen offiziellen geschäfte gekauft wurde. das einzige, worauf wir uns hier verlassen wollten, war die chinesische küche. empfohlen hatte man uns joe's ginger und wir sind dieser empfehlung gerne gefolgt.

das ist auch so ein phänomenales ding über diese stadt. da sich hier so unglaublich viele nationen finden lassen und sehr viele in ihren communities zusammenleben, wie eben z.b. die chinesen in chinatown, gibt es auch die dazugehörigen kulinarischen angebote, die man vor ort wirklich nicht verpassen sollte. und "chinesisch" hier ist nicht gleichbedeutend mit "chinesisch" in deutschland. hier wird ohne verfälschung gekocht, ohne adaptation an den geschmack des gastlandes. die ganze chinesische küche richtet sich ja primär an die landsleute. genau das wollten wir auch mitnehmen. es war ja auch schon wieder 14:00 uhr und tatsächlich zeit für mittag. doch bevor wir zuschlagen konnten, mussten wir die ausgefeilte stäbchen-technik nochmal verinnerlichen. gleich einige unter uns meinten, dass sie diese noch nicht bis zur vollen perfektion beherrschten. da war es doch nur konsequent, alle zum aufnehmen ihrer stäbchen aufzufordern und einen strohhalm rumgehen zu lassen. der deal war, derjenige, der den strohhalm fallen lässt, muss die gesamte rechnung zahlen. =D gesagt, getan: der strohhalm ging rum (aus hygienischen gründen natürlich noch in verpackter version).

oh mein gott, welch ein fatales ergebnis war das denn? auch wenn es auf diesen beiden bildern gerade hochprofessionell aussieht, so ist der halm doch mehr gefallen als weitergereicht worden. wer von den vielen 'loosern' sollte nun aber die rechnung übernehmen? nun gut, dann haben wir uns wieder auf das alte modell geeinigt, dass jeder seinen teil der rechnung selbst trägt. aber auch hier hatten wir unsere probleme, denn in den usa ist die tax nämlich nicht im ausgewiesenen preis inbegriffen. das heißt, wenn die nr. 26 auf der karte mit 8,50 $ angegeben ist, dann kommt da immer noch die state tax (von in new york so um die 8%) dazu. und da man in einem restaurant ist, kommt on top noch einmal ein service-trinkgeld von mittlerweile auch schon 15 bis 20 prozent hinzu. das war uns alles gerade ein wenig zu viel kopfrechnen. wie auch immer wir es angestellt haben mögen - gestimmt hat am ende der betrag, den wir gezahlt haben.

und nun konnten wir auch gestärkt weiter und rüber über die straße nach little italy. ja, hier liegen china und italien ganz dicht beieinander! beide länder sind nur getrennt durch - nein, nicht die seidenstraße, - sondern die canal street. welch eine geografie? da ist es doch nur allzu verständlich, dass einige amerikaner etwas probleme mit der richtigen verortung von ländern auf dem globus haben ;^) und das handeln macht hier genauso viel spaß wie eben noch drüben in china. es gibt den gleichen ramsch auf den straßen zu kaufen. und wer nicht zuschlägt ist selber d__f.

hier ist irgendwie ein richtiges gefühl von 'forza italia' aufgekommen.

diese stadt scheint einem jeden irgendwie eine heimstatt zu bieten, selbst den verrücktesten. so sind wir auf unserer bustour auf einen typen gestoßen, dem man so wahrscheinlich auch nur hier in new york begegnen kann - auf batman. jedoch waren wir nicht in irgendwelchen filmstudios, sondern unterwegs im financial district von manhattan, wo sonst nur anzugträger und touristen unterwegs sind. und das erscheint dann doch schon ein wenig bizarr. mit seinem batmobil - zumindest dem, was er dafür erachtete, für uns war es eher ein verziertes fahrrad - sprang er wie wild mit erhobener cola-dose vor unseren kameralinsen umher.

gleich auf der anderen straßenseite war ground zero, die wahrscheinlich meistfotografierteste baustelle auf der welt. hier standen bis zum 11. september 2001 die zwillingstürme des world trade centers. an dieser stelle sind unzählige an diesem tag ums leben gekommen. und in wenigen jahren soll hier noch symbolträchtiger, als es die zwei türme waren, der freedom tower stehen.

nun war der bus auf seinem weg zum south street seaport, wo er uns wieder für eine gute stunde raus lies. von hier aus hat man einfach einen fantastischen blick auf brooklyn und die brooklyn bridge. und wieder einmal haben sich die 'manhattan boys' zum foto aufgereiht.

da unsere pause hier reichlich bemessen war, wollten wir doch mal auskundschaften, wo das ganz große geld sein zuhause hat. an der börse versteht sich. nun hört man ja so verdammt viel von der new york stock exchange in der wall street. und die wall street haben wir auf unserer bustour auch bereits ganz in der nähe unseres drop off points erspäht. die überraschung war aber nicht schlecht, als wir das gebäude nicht in der wall street selbst, sondern in einer querstraße zu ihr fanden. wie auch immer, von einem scheint auch sie ganz stark geprägt zu sein - vom amerikanischen patriotismus. wie sonst soll man diese überdimensionale flagge interpretieren, die die so schönen antikisierenden säulen verbergen. jetzt erkläre mir aber noch einer, warum die rechte von den drei gehissten fahnen die chinesische ist!?

für den letzten abend hat sich sandy noch was ganz besonderes einfallen lassen. zum einen hat sie uns natürlich - organisationsgenie wie sie nun einmal ist - in knappen worten über die do's & don'ts in den staaten aufgeklärt und mitgeteilt, wann wer zum flughafen muss. einen ganz typischen amerikanischen willkommensgruß hatte sie aber auch noch in form einer torte für uns parat. das war wirklich total 'süß' von ihr :-)

ja, man mag es kaum glauben, aber diese torte ist wirklich komplett echt und auch zum verzehr geeignet. und wie man sehen kann, hat sie auch gemundet.

man könnte sie als ouvertüre zu einer kalorienreichen zeit in den staaten bezeichnen. denn mit einem wurde hier definitiv nicht gespart - mit zucker und sahne. und farbstoff natürlich auch, aber der hat ja bekanntlich keine kalorien, sondern nur ganz viele e's. und sie ist das initiale corpus delicti für die zusätzlichen kilogramm, die viele wahrscheinlich nach ihrem amerikaaufenthalt auf den rippen haben werden. da hilft auch keine vegetarische ernährung, wenn diese dergestalt aussieht =)