Hallo, mein Name ist Charlotte, ich bin 40 Jahre alt und stehe eigentlich mit beiden Beinen schon fest im Berufsleben. Da ich aber schon ewig bereut habe, niemals einen Schüleraustausch gemacht zu haben und mir schon genauso lange gewünscht habe, einmal ein Sabbatical zu machen, habe ich mir ein Herz gefasst und war von April bis Ende Juni am Edmond‘s College in Lynnwood nahe Seattle.
Da ich mit einem anschließenden Urlaub länger als drei Monate aus Deutschland weg war, war der Organisationsaufwand unglaublich. Ich musste an so viele Sachen denken: Rentenversicherung, Krankenversicherung, unbezahlte Freistellung von der Arbeit und so weiter. Außerdem mussten noch ein Englischtest und ein Mathetest absolviert werden (von dem ich bis heute nicht weiß, ob ich ihn wirklich hätte absolvieren müssen) und ich konnte mir meine Kurse am College selbst aussuchen. Das war nicht immer ganz einfach und die Kommunikation mit dem College hätte ich mir manchmal etwas flüssiger gewünscht. Auf alle Fälle konnte ich lernen, mich in Geduld zu üben.
Gelohnt hat sich der Aufwand aber definitiv!
Ich hatte mir das Edmond’s College gezielt ausgewählt, da mich Landschaft mehr interessiert als Städte und die Umgebung dort ländlicher ist als direkt in der Stadt. Seattle ist von Lynnwood aus dennoch einfach zu erreichen, es gibt eine Art S-Bahn in die Stadt, deren Benutzung auch im Studententicket inkludiert ist. Ansonsten kann ich den ÖPNV im Bundesstaat Washington leider nicht empfehlen. Der tägliche Weg zum College mit den selten fahrenden und oft ausfallenden Bussen hat mich so manchen Nerv gekostet. Ich kann wirklich jedem nur empfehlen, sich irgendwie ein Auto zu beschaffen.
Meine Gastfamilie hat mich zunächst super herzlich empfangen und wir hatten wirklich eine schöne Zeit miteinander! Meine Gastmom war etwas älter als ich, meine Gastschwester war dafür erst 17. Im Laufe der Zeit wurde das Zusammenleben aber schwieriger, was sicherlich auch daran lag, dass ich in meinem Alter schon längst daran gewöhnt bin, einen eigenen Haushalt zu führen. Für den Fall, dass ihr Probleme mit der Familie habt, gibt es aber im College einen Ansprechpartner, der einem im schlimmsten Fall sogar ganz schnell eine neue Familie vermitteln könnte.
Großen Spaß hat mir die Teilnahme an den Kursen im College bereitet. Tatsächlich hatte ich vorher unterschätzt, wie arbeitsaufwändig diese Kurse sind. Die Lehrer sind aber sehr motiviert und motivierten auch uns Schüler sehr. Ich war richtig traurig, als die Kurse zu Ende waren. Nachmittags war ich oft im Fitnessstudio im College, das können die Studenten dort gratis benutzen. Es gibt auch Sportvereine, aber für nur ein Quarter hätte es keinen Sinn ergeben, wenn ich mich dort anmelde. Ab und zu wurden auch Aktivitäten für die internationalen Studenten angeboten. Allerdings waren fast alle internationalen Studenten unter 20 Jahre und aus Asien, daher hatte ich sowohl wegen meines Alters als auch wegen meiner Herkunft eher weniger mit ihnen zu tun.
In meiner Freizeit habe ich teilweise alleine und teilweise mit meiner Familie tolle Ausflüge gemacht. Einmal war ich sogar mit meiner Gastmutter eine Woche in New England. Wir haben uns auch die umliegenden Nationalparks angeschaut und ich war richtig viel wandern in den großartigen Wäldern und Bergen Washingtons. Dass sich dort im Nordwesten eine solch eine fantastische Landschaft versteckt, hätte ich nicht erwartet!
Nach dem Ende des College konnte ich mit meinem Visum noch eine Weile in den USA bleiben und habe diese Zeit genutzt, um noch mehr von diesem großartigen Land kennen zu lernen. Auch das kann ich jedem nur empfehlen.
In der Rückschau bereue ich es keine Minute, dass ich den Schritt gewagt habe und denke so gerne an diese großartige Zeit zurück!